16. Stop: Frankreich 2.0

Nach Barcelona verlassen wir Spanien. Kurz vor Silvester kehren wir auf einem kleinen Campingplatz knapp über der Grenze in Frankreich ein. Wir stehen in einem Waldstück neben einem kleinen, französischen Dorf. Ein Bach plätschert vorbei, um uns ist überall Grün. Ein kleines Abenteuer gibt es bei der Auffahrt zu unserem Stellplatz, denn neben der Straße läuft von Laub bedeckt eine Rinne für das Regenwasser entlang – und in der Kurve, wenige Meter vor unserem Platz, rutscht dann ein Rad des Wohnwagens hinein und verkeilt sich. Ein netter Camper vor Ort hilft uns mit seinem 4×4 Range Rover, der den Anhänger problemlos herauszieht.

Der restliche Aufenthalt verläuft ruhig. Wir verbringen hier Silvester, wobei sowohl das Baby als auch Jessy durchschlafen, als später auch Renés Geburtstag. Wir kommen hier zur Ruhe und kurieren uns aus, denn wir sind alle verkühlt. Mich trifft es am längsten, ich werde die Erkältung 2 Wochen lang nicht los. Viel verpassen tun wir aber nicht, denn es regnet die meiste Zeit unseres Aufenthaltes.

Auch auf unseren nächsten Stellplätzen in der Nähe von Montpellier ist uns das Wetter nicht gesonnen. Am ersten kehren wir nur kurz ein, da, trotz widersprüchlichen Infos auf der Homepage, wir kein Wasser auffüllen dürfen. Der nächste Platz gefällt uns zum Glück sowieso besser. Wir sind ganz nahe zur Stadt und zum Strand, und stehen auf dem Hof einer Getreidemühle, umgeben von Maisfeldern. Hier werden wir wiederum sehr herzlich empfangen und bekommen sogar selbstgemachte Weihnachts-Süßigkeiten geschenkt.

Wir fahren einmal in die Stadt hinein, und sind von der Street Art begeistert. Noch nie habe ich so etwas gesehen: Auf einer geraden Hauswand ist eine gewölbte Hausfront mit Balkonen und Zaun aufgemalt, die einen realistischen 3D-Effekt hat. Ich musste mehrmals hinsehen, um zu erkennen, dass es nur aufgemalt ist.

Wir haben den ruhig gelegenen Campingplatz die meiste Zeit ganz für uns alleine, und gehen oft um den Teich dahinter spazieren.

Leider spielt das Wetter immer noch nicht mit, und wir können die Spaziergänge nicht regelmäßig machen, weil der Regen so heftig ist und die Erde weich und schlammig gemacht hat. Auch der Wind spielt uns teilweise übel mit.

Aus diesem Grund halten wir auch unseren Aufenthalt in der Nähe von Marseille Recht kurz. Alles um uns ist schlammig, die Gewitter rauben uns den Schlaf und langsam drückt das Wetter auch auf unsere Stimmung. Apropos Wetter: Ein Wetterfrosch hat uns hierher begleitet! Anscheinend hat ihm unsere Waschmaschine gefallen, die wir aus Platzgründen draußen hingestellt haben, und er ist heimlich aus Montpellier nach Marseille mitgereist. Man stelle sich bitte meine Überraschung vor, als ich am neuen Stellplatz nichtsahnend die Tür zur Dusche (dort steht die Waschmaschine während der Fahrt) öffne, und oben auf der Maschine ein nicht ganz so kleines Fröschlein sitzt. Der Wetterfrosch ist jetzt also umgesiedelt auf das riesige Feld direkt hinter unserem Stellplatz.

Hin und wieder Regen, ja klar, damit haben wir gerechnet. Aber da es wochenlang fast durchgehend regnet, und das Pech mit den Stellplätzen hinzu kommt, fällt es uns zunehmend schwerer, damit umzugehen.

Campen ist Leben auf kleinem Raum, um die Welt herum hautnah zu erleben. Klar, wir haben wenig Platz im Wohnwagen, aber unser „Esszimmer“ ist doch draußen, wo wir „in die Ferne-sehen“ in unserem „Wohnzimmer“, und dann eine Runde schwimmen in unserem gigantischen „Badezimmer“. Ein, zwei Tage ist es in unserem Wohnwagen natürlich auch aushaltbar, wenn das Wetter nicht mitspielt. Aber Wochenlang? So macht das Campen keinen Spaß mehr.

Wir beschließen also, unsere Rückreise um wenige Wochen vorzuverlegen. Unser letzter längerer Aufenthalt findet in Saint Tropez statt. Oder soll ich lieber „Sun“ Tropez sagen? Denn tatsächlich, zum ersten Mal in diesem Jahr, haben wir einen klaren Himmel und die Sonnenstrahlen können ungehindert durchbrechen und auf unserer Haut tanzen. Es fühlt sich herrlich an! Wir machen gleich einen Spaziergang – in der Sonne, am Sandstrand entlang. Unser Campingplatz ist nur wenige Gehminuten vom Meer entfernt, sodass wir hier jeden Tag spazieren können. Vor uns brechen die Wellen in satten Blautönen, darüber strahlt ein wolkenloser Himmel, unter uns glitzert der helle Sand und die sonnige Wärme bringt auch mehr Leichtigkeit in unser Gemüt. Jessy sorgt für zusätzliche Heiterkeit, weil sie den Strand genauso liebt wie wir, und Lars macht seine ersten Strand-Schritte.

Auch in Saint Tropez regnet es zwischendurch, aber dann kommt die Sonne gleich wieder hervor und trocknet die Pfützen.

An unserem letzten vollen Tag hier kommt noch einmal alles zusammen: Das gute Wetter. Spaziergänge am Meer entlang. Sightseeing, denn wir fahren zu einem nahegelegenen historischen Dorf, und gutes Essen, was wir in diesem Dorf draußen sitzend genießen.

Es ist ein perfekter Tag am Ende unserer Reise. Aber, wie mein Mann so schön gesagt hat: Es ist gar nicht das Ende, sondern der Anfang unserer Reise.

Denn anders als zu Beginn müssen wir Lars nicht mehr umständlich am Arm halten, er sitzt beim Spaziergang auf Renés Schultern und macht dann zaghaft eigene Schritte im Sand. Er schaut sich das Dorf nicht im Liegen in der Wanne seines Kinderwagens, sondern aufrecht sitzend im anderen Aufsatz an. Er fährt im Auto ohne der Einlage für Neugeborene mit.

Jeden Tag wird er mehr zum Kleinkind und weniger Baby. Die Reise „Familie“ hat gerade erst begonnen. Dieser Blog ist lediglich ein erstes Kapitel davon.

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