15. Stop: Málaga, Valéncia & Barcelona

Der letzte Beitrag ist vor ziemlich genau einem Monat online gegangen. Was hat sich seither also alles getan?

Unsere Weiterreise hat uns zuerst nach Málaga geführt. Doch, wie immer, stehen wir nicht mitten in der Stadt, sondern etwas außerhalb. Und diesmal ist unser Stellplatz direkt beim berühmten Caminito del Rey! Wenn dir das nichts sagt, keine Sorgen: Wir haben auch erst in Spanien davon erfahren. Viele Camperinnen und Camper, die wir unterwegs getroffen haben, sind nur wegen diesem Ort in die Gegend gefahren. Und wir haben zufällig genau mittendrin einen Stellplatz gewählt.

Caminito del Rey ist ein Wanderweg durch beeindruckendes Gebirge. Das besondere; ein Stück des Weges führt über ein Gerüst an dem Rücken eines mächtigen Berges entlang, über dem Abgrund einer Schlucht, umgeben von weiteren steinigen Riesen. Es sieht wahnsinnig beeindruckend aus. Und weil der Weg so beliebt und das Gerüst so eng ist, darf der Caminito nur in eine Richtung beschritten werden. Nach 4-7 Stunden durchschnittlicher Wanderzeit wird man dann von Shuttlebussen zurück gebracht. Aber auch zum Klettern bietet die Gegend einiges. In unsere Unterkunft kehren viele Kletterer ein.

So auch wir. Und unser Besuch. Wir Glücklichen werden nämlich abermals besucht! Diesmal können wir nicht mit Höhlen dienen, aber einer kleinen Cottage Wohnung. Lars und Jessy freuen sich wahnsinnig über das bekannte Gesicht. Wir kochen und essen gemeinsam, und erkundigen Málaga.

Es geht durch die Altstadt vorbei an einem römischen Theater zu einem Grünstreifen voller Orangenbäume.

Dann ziehen wir zu fünft weiter zum Strand, bevor wir uns am Rückweg bei einem Weihnachtsmarkt Churros holen.

Am Stellplatz selber macht Lars dann erste „richtige“ Krabbelanstalten. Er bewegt sich vorwärts! Ganz offensichtlich tut ihm die zusätzliche Gesellschaft genauso gut wie uns.

Viel zu schnell ist es an der Zeit sich zu verabschieden. Das nächste Wiedersehen wird erst im neuen Jahr stattfinden. Aber unsere Batterien sind neu geladen. Es hat so gut getan, wieder ein paar Stunden als Paar zu haben, sich mit jemand anderem auszutauschen und unseren Alltag und Abenteuer zu teilen. Trotzdem ist es Jessy, der der Abschied am schwersten fällt.

Und was ist sonst noch so passiert?

Nach einer kleinen Wanderung geht es für unsere kleine Familie weiter nördlich. Auf dem Weg nach Valéncia machen wir drei Zwischenstopps. Der erste ist in der Nähe von Granada, wo wir auf der Hinfahrt schon gestanden sind. Die Kaninchen heißen uns auch jetzt wieder willkommen. Der zweite ist ein kleiner Campingplatz in einem kleinen Dorf irgendwo im Nirgendwo. Hier füllen wir unsere Gasflasche neu auf (zum zweiten Mal seit Reiseantritt) und erledigen ein paar Einkäufe. Unser dritter Stellplatz gefällt uns so gut, dass wir verlängern.

Wir stehen nämlich bei einer Stierkampfarena. Der Platz darum ist durch einen Zaun, ein elektrisches Tor und Videokameras gesichert. Strom, Wasser und Abwasserentsorgung sind gut gepflegt und wirken neu. Der Platz wird von der Gemeinde eines kleinen Dörfchens kostenlos zur Verfügung gestellt. Wir spazieren gerne durch die verschlafenen Straßen, und kurieren uns sonst im Wohnwagen aus. Lars durchlebt seine erste kleine Erkältung, und auch René und ich schnupfen ein wenig. Bei uns Erwachsenen zieht es jedoch deutlich schneller vorbei als beim Kleinen. Zum Glück übersteht er aber alles ohne Fieber.

Als wir schließlich nach 3 Nächten weiter nach Valéncia fahren wollen, beginnt es zu schneien! Genau in dem Moment, als alles gepackt, überprüft ist und wir Abfahrt bereit im Auto sitzen, rieseln Schneeflocken an die Fensterscheiben. Wir fahren los, und der Schnee wird immer weniger, bis er schließlich ganz aufhört und wir wärmeres Wetter erreichen.

Wir stehen eine Stunde vor Valéncia, auf einem kleinen, privaten Campingplatz, der erst im September geöffnet hat. Unser belgischer Gastgeber gibt uns einen Schlüssel, damit wir das gut gesicherte Grundstück selbstständig verlassen können. Um uns herum sind sie wieder: Orangenbäume. Hier verbringen wir Weihnachten.

Davor besuchen wir noch die Großstadt – gleich zweimal. Erst, um ausgiebig essen zu gehen, und zwar Buffet! Wir kümmern uns außerdem um ein paar Erledigungen, denn einer der Vorteile einer Großstadt ist, dass es alles gibt (sogar ein Bauhaus – und zwar das „Bauhaus“, das es auch bei uns gibt). Wir besuchen also das Bauhaus und einen Campingstore für Renés Projekte am Anhänger.

Bei unserem zweiten Besuch in Valéncia sehen wir uns dann die Stadt an. Wir fahren direkt zur Ciutat de les Arts i les Ciències, einem modernen Wissenschaftsmusem in der Nähe vom Strand. Dort besuchen wir einen Weihnachtsmarkt, sehen uns die Parkanlage an und staunen über die Architektur.

Sogar ein gigantisches Aquarium und Kino sind in dem Landschaftspark zu finden. Wir sehen uns die Gebäude allerdings nicht von innen an (mit Hund nicht erlaubt), lassen uns dafür umso mehr Zeit für den Außenbereich. Wir holen uns Kleinigkeiten zum Essen vom Adventsmarkt, und ich bekomme einen neuen Silberring mit einem kleinen L darin.

Und dann steht Weihnachten an. Unser erstes Weihnachten als kleine Familie, und Lars sein erstes Weihnachtsfest überhaupt. Wir öffnen das letzte Kästchen unseres Sonnentor-Adventkalenders, hören noch einmal unsere Weihnachts-Playlist und beginnen dann, aufwendig zu kochen.

Schon Wochen zuvor haben wir unser Weihnachts-Menü geplant. Es gibt Rotkraut, Semmelknödel und einen „Braten“ aus Pilzen in mariniertem Reispapier mit ganz viel Bratensauce. Später machen wir uns eine heiße Schokolade und unternehmen bei 17,2 °C Grad einen kleinen Spaziergang zu den Orangenbäumen.

Und Lars? Unser kleines Weihnachtswunder krabbelt nicht nur, sondern steht auf. Von alleine. Und bleibt nicht nur stehen, sondern macht mit unserer Hilfe im Wohnwagen seine ersten holprigen Schritte. Wir könnten nicht stolzer und glücklicher sein, mit unserem kleinen, großen Wunder.

Wir beginnen auch langsam damit, dass wir ihm nicht mehr „nur“ Brei geben, sondern integrieren auch weiche Kekse, gekochte Gemüsescheiben und weiche Obststücke. Damit sitzt er dann in seinem Hochstuhl bei uns am Tisch und isst mit. Wir haben unsere ersten, richtigen Familienmahlzeiten, bei denen wir alle gleichzeitig essen können, und genießen das sehr.

Eine letzte spanische Großstadt besuchen wir noch, bevor wir das Land verlassen.

Am Weg dorthin stehen wir für eine Nacht auf einem großen Parkplatz für Wohnmobile und -wagen. Strom und Abwasserentsorgung stehen hier allen gratis zur Verfügung, weshalb der Platz auch sehr, sehr gut belegt ist. Wir haben Glück und finden noch Platz; die Camper, die nach uns kommen, müssen sich hingegen teilweise auf die Straße davor parken. Es ist, wahrscheinlich auch durch den starken Regen, aber ein ruhiger Ort. Trotzdem wird René kurz vor unserer Abreise am nächsten Morgen während dem Abbau so durchnässt, dass er sich noch einmal komplett umziehen muss.

Nach dem Abenteuer auf diesem Parkplatz freuen wir uns auf ein paar ruhige Nächte bei Barcelona. Wir haben hier schon mehrere Wochen vorab versucht, einen Stellplatz zu sichern, und viele Absagen erhalten. Der Platz, auf den wir jetzt fahren, hat eine Anzahlung verlangt und befindet sich 1 Stunde Fahrzeit von der Stadt entfernt. Länger, als wir wollten. Trotzdem freuen wir uns darauf, das Jahr hier friedlich ausklingen und auch Silvester verbringen zu können. Soweit kommt es jedoch nicht.

Denn unser spanischer Gastgeber, Raoul, weist uns erst einmal an, in den Schlamm zu fahren. Auch hier hat es in den letzten Tagen stark geregnet, und die Erde ist weich. So weich, dass unser Anhänger versinkt. Wir stecken also zum ersten Mal auf unserer Reise im Boden fest. Vor allem unser Auto zieht das sehr in Mitleidenschaft, denn das macht, mit ein paar Holzbrettern und Steinen und Ästen, die Raoul noch schnell sammelt, die ganze Arbeit. Aber dann schaffen wir es und können den Wohnwagen befreien. Als das geschafft ist, platzieren wir uns – auf festem Untergrund – und können endlich Mittagessen, aufbauen, uns mit dem Strom verbinden und ankommen. Doch am späten Nachmittag, als es bereits anfängt zu dämmern, kommt Raoul nochmal vorbei, um uns wieder weg zuschicken. Unser Heizkörper würde mehr Strom verbrauchen als er mit seinen Solarpanelen zur Verfügung hat. Wir sind frustriert, vor allem, weil wir den Verbrauch vorab bereits klar kommuniziert haben, sowieso Schwierigkeiten hatten, einen Stellplatz zu finden, und jetzt bei Dunkelheit fahren müssen. Wenigstens hilft Raoul uns aus der Misere (die er erneut verursacht hat), und bringt uns in der Nähe auf dem Pferdehof eines Freundes unter. Der Untergrund ist fest, und Strom genügend da, ansonsten ist der Platz Recht rustikal, aber Ramón ist sehr freundlich und plaudert viel auf Spanisch mit uns. Wir beschließen trotzdem, früher abzureisen, und nur den nächsten Tag noch zu bleiben.

An diesem haben wir etwas besonderes vor. Erinnerst du dich an den ersten Bericht aus Barcelona und meine Enttäuschung, den Park Güell nicht gesehen zu haben? Diesmal haben wir Tickets gebucht!

Wir fahren also in die Stadt, essen eine Kleinigkeit und holen uns wieder Pain de suisse mit Pistaziencreme aus demselben Lädchen, das wir im November bereits besucht haben. Dann geht es in den Park – endlich! Wir gehen ausgiebig spazieren, besuchen alle Ecken, die wir sehen können, und staunen trotz Schlechtwetter über die brillante Architektur.

Mich erinnert sie ein wenig an Hundertwasser: sehr inspiriert von der Natur, alles gliedert sich zwischen den vielen Pflanzen im Park ganz natürlich ein, und es gibt wenige Geraden und rechte Winkel.

Mir gefallen die farbigen Mosaike, die gedrehten Säulen und die Dächer der Gebäude, die mit ihren weißen Ziegeln an Whotown (aus „The Grinch“) erinnern.

Also hat sich unser Trip hierher doch noch gelohnt, wenn wir auch alle sehr erschöpft die Weiterreise antreten.

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