Wir verabschieden uns von den Hühnern, Enten, Gänsen, Schafen und natürlich von Edwige. Es geht weiter ins nächste Abenteuer!

Dazu verlassen wir die Berge und fahren weiter an der Küste entlang. In der Nähe von Toulon und ca. 30 Auto-Min. von Marseille entfernt finden wir unseren nächsten Halt – beim Olivenbauer Vincent und seinem Vater Gerhard, der doch tatsächlich mit einer Bregenzerin verheiratet ist. Vincent und seine Frau Pauline haben noch einen 3-jährigen Sohn, Paul, der bei unserer Ankunft lauter Gänseblümchen pflückt und mir schüchtern reicht, während Gerhard unseren Anhänger mit seinem Traktor auf den Weg zwischen den Olivenbäumen zieht. Wir werden auch von Bella und Okra, den beiden großen Hofhündinnen, begrüßt. Beide sind über 10 Jahre alt, riesig, und verspielt wie kleine Welpen. Besonders Okra kommt uns während unseres Aufenthaltes regelmäßig besuchen. Ein riesiger, schwarzer Hund, mit einem Fußball im Maul, der sich vor unseren Füßen auf den Rücken wirft und gekrault werden will.

Das Wetter hat wiedermal für ein Abenteuer gesorgt, denn diesmal hatten wir rund 24 Stunden lang einen kräftigen Sturm, der die Äste der umliegenden Olivenbäume auf unser Dach peitschen und die Oliven darauf rollen ließ. Es war eine Recht schlaflose Nacht für uns. Da Lars generell „schlechtere“ Nächte hat, weil er nach kurzer Zeit immer wieder wach wird, gehen wir es in diesen Tagen noch ruhiger an als sowieso schon, und fühlen uns oft wie schlafwandelnde Zombies. Der Schlafmangel nagt jedenfalls ordentlich an unseren Reserven.
Wir bleiben viel in der Gegend, erkundigen gemeinsam einen nahen Skateplatz und picknicken am nahe gelegenen Strand. Dann schaffen wir es vor unserer Abreise aber doch noch, nach Marseille zu fahren.

Die Stadt ist gewaltig und ganz anders als Nizza. Vorbei sind die ruhigen Fahrten über perfekte, saubere Straßen und mit gelassenen, respektvollen Verkehrsteilnehmer*innen. Am Weg und in Marseille geht es wieder richtig rund – im wahrsten Sinne des Wortes. Die vielen Kreisverkehre und Tunnel machen die Fahrt zu einer Reise durch ein Labyrinth. Dabei kommen wir am eleganten, fast protzigen Hafen vorbei, finden in einem Restaurant ein und steigen dann die Stiegen zum Notre Dame de la Garde empor. Lars haben wir diesmal in die Trage gepackt, was sich auch hinsichtlich der schmalen, unebenen Gehsteige als gute Entscheidung entpuppt hat.

Die Basilika ist beeindruckend. Leider ist um die Turmspitze ein großes Gerüst gespannt, sodass es von außen gar nicht so prächtig wirkt, wie wir es dann Innen vorfinden: Nach der bescheidenen Krypt, in dem ein Bereich ausschließlich für Betende vorbehalten ist, strahlt die Basilika selbst in kräftigen Gold- und Rottönen. Die Wände sind mit prunkvollen Malereien verziert. Man muss den Hals in alle Richtungen verrenken, um all die Kunst sehen zu können. Über dem Altar steht eine Marienstatue, mit dem Jesus-Kind am Arm. Diese hat man auch in der Krypt gesehen, dort wurde sie jedoch so beleuchtet, dass links und rechts die Schatten der Statue an die kahlen Wänden geworfen wurde, was mir besonders gut gefallen hat. In der Basilika sieht man keine Schatten, alles in von hohen Fenstern perfekt ausgeleuchtet. Mein Lieblingspart an der Basilika sind die kleinen Schiff-Girlanden, die von der Decke des Kirchen-Schiffes hängen und an die Nähe zur Küste erinnern. Am Weg nach oben sieht man diese immer wieder. Mit dem Turm im Rücken hat man einen wunderschönen Blick aufs Meer, oder, wenn man den Turm einmal umrundet, auf die Stadt.

Am Rückweg zum Auto kehren wir noch in einem kleinen Kaffee ein. Mit Baby und Hund sind wir durch den Trubel in der Stadt ziemlich erledigt, und kommen vor der Rückreise noch einmal zur Ruhe.

Bevor es allerdings zum nächsten Stop weitergeht, müssen Lars Kleidungsstücke neu sortiert werden. Unser – mittlerweile 5 (!) Monate altes – Baby ist jetzt nämlich zu groß für die aktuelle Kleidergröße. Wir haben mit Bedacht genügend Kleidung in 68 und 74 eingepackt – damit kommen wir hoffentlich bis zu unserer Rückkehr aus. Nicht zu glauben, dass wir jetzt ein plauderndes, quietschendes, rollendes, Daumen- und Zehen-lutschendes Kind haben. Ein weiteres Highlight ist, dass er jetzt mit Beikost starten kann! Der Olivenbauer hat nicht nur Oliven (die Erntezeit dafür beginnt erst in > 1 Monat), sondern auch einiges an Obst und Gemüse im Angebot. Lars erster Brei war Spinat – und auch wenn das Interesse groß war und ein paar Bissen vorsichtig probiert wurden, war es doch ein sehr bitteres Erlebnis für ihn. Also sind wir auf rote Beete – ebenfalls frisch vom Bauern – umgeschwenkt, die ihm wirklich gut schmeckt.

Pauline stattet uns noch mit selbst gebackenen Zimtschnecken, ein wenig Baby-Gewand von Paul und einer kleinen Flasche Olivenöl als Abschiedsgeschenke aus. Dann wird es Zeit, auch hier wieder Lebewohl zu sagen, und zu einem neuen Abenteuer aufzubrechen.


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